Vorwort

Wenn nach so langer Zeit ein dokumentarischer Bericht über Ereignisse im Zweiten Weltkrieg erscheint, ist die Frage zu stellen, ob und warum diese Darstellung notwendig ist? Das Gedenken ist auch an dem Ort, an dem wir heute leben wichtig. Nicht das Vergessen und Verdrängen darf uns leiten, sondern Erinnerung, Geschichte und Wissen lassen uns die richtigen Weichen für die Zukunft stellen. Es gibt schon sehr beeindruckende Schilderungen verschiedener Häftlingsschicksale. Genannt werden muss die Ausstellung „Das hätte doch jeder getan“ in Ergoldsbach. Max Maurer und Anna Gnadl waren die Personen die beherzt Menschlichkeit walten ließen.
Spezifisch über Todesmärsche hat Florian Obermayer in den „Vilsbiburger Museumsschriften“ 10(2008) S.59 -119 eindrucksvoll berichtet.  Im „Mitterfelser Magazin“ 11(2005) S. 25-33 finden sich weitere Schilderungen von Augenzeugen. Eindrucksvoll berichtet auch Pater Gebhard Heyder aus dem Karmelitenkloster Mariahilfberg bei Neumarkt i.d.Opf. in seinem Büchlein „Bekenntnisse eines Todgesagten“ (1984) S. 46 – 53 seine Erlebnisse.

Dennoch gibt es in allen Darstellungen der Unmenschlichkeit immer wieder Hoffnung durch Einzelne, die die Spirale der Gewalt durchbrechen und menschlich handeln. Nicht nur in den zitierten Schriften, dokumentiert sich menschliches Verhalten, auch im Häftlingszug aus Hersbruck, der über Haugenried nach Viehhausen und weiter nach Reichenstetten zog, gibt es Beispiele.

Einem Gefangenen der im Hof gegenüber im Kartoffeldämpfer bei der Essenszubereitung half, gab meine Mutter durch das Fenster des Kartoffelkellers eine Futterrübe, um die er gebeten hatte. Er versteckte sie schnell unter seiner Jacke und verschwand. Meine Tante reichte den Gefangenen so lange über den Zaun Brot, bis sie vom Wachposten mit dem Gewehr im Anschlag davon abgehalten wurde. Sie antwortete darauf: „So kann man doch nicht mit den Leuten umgehen!“. Ein russischer Arzt saß während des Aufenthalts der Häftlinge in Reichenstetten Tag und Nacht am Bett eines schwer erkrankten Jungen.

Beim Weitermarsch der Gefangenen hatte sich ein junger Russe versteckt und war im Dorf zurückgeblieben. Nach dem Einmarsch der Amerikaner, konnte er wieder in seine Heimat zurückkehren.

Das Geschilderte soll die Grausamkeiten und die fürchterlichen Verbrechen keineswegs beschönigen oder auch nur in einem milderen Licht erscheinen lassen. Im Gegenteil wir sollen dadurch dazu ermutigt werden, immer die Augen offen zu halten und kein Unrecht gegen irgendjemanden auch nur zu dulden.

Deshalb ist diese Publikation auch in der heutigen Zeit richtig und auch so wichtig.
Karl Hoibl, Orts- und Kreisheimatpfleger, Archivpfleger der Gemeinde Sinzing 

Quellenangaben

http://www.braun-in-wolfratshausen.de/27.html
http://www.effner.de/pressespiegel/sz091004.htm
http://www.gavagai.de/tb/HHD02ZIVE.htm